Fallschirmsprung Ablauf

Fallschirmsprung Ablauf

Ein Tandemsprung ist eine geniale Möglichkeit, das Gefühl des freien Falls und des Schirmfliegens zu erleben – und das alles ohne Vorerfahrung! Hier erfährst du, wie so ein Sprung in der Regel abläuft.

Bevor du in irgendeinen Overall steigst, landest du im Manifest. Klingt unspektakulär. Ist aber der Punkt, an dem aus „Ich überlege noch“ ein verbindlicher Sprung wird.

Du füllst eine Selbstauskunft zu deinem Gesundheitszustand aus. Kein Leistungssport nötig, aber du solltest deine Beine später kontrolliert anheben können. Ein ärztliches Attest? In Deutschland für Tandemgäste nicht vorgeschrieben. Ehrlichkeit dagegen schon.

Dann kommt der Beförderungsvertrag. Mit deiner Unterschrift gilt das Luftverkehrsgesetz für deinen Sprung. Versicherung, Haftung, Risiken – alles klar geregelt. Kein Kleingedrucktes-Dschungel, sondern saubere Luftfahrt-Realität. Ab jetzt bist du offiziell Tandemgast.

Du triffst deinen Tandempiloten. Keine Show. Kein Pathos. Ein Profi, der genau weiß, was er tut.

Im Briefing zeigt er dir das Tandemsystem: Hauptschirm, Reserveschirm, Öffnungsautomat. Technik, auf die du dich blind verlassen kannst. Aber dein Part ist genauso wichtig.

Absprung: Kopf in den Nacken, Hüfte nach vorne – die berühmte Bananenform.
Freifall: Arme locker, Beine leicht angewinkelt. Stabilität statt Wildrudern.
Landung: Beine hochziehen. Klingt banal. Entscheidet über eine saubere Rutschlandung.

Ihr probt das am Boden. Mehrfach. Damit es sitzt, wenn der Wind mit 200 km/h an dir zerrt.

Jetzt wird es greifbar. Du steigst ins Passagiergurtzeug. Dicke Gurte über Schultern und Beine, massive Schnallen, straff angezogen. Dein Pilot checkt alles. Und dann noch einmal.

Sprungbrille, Kopfhaube, bei Bedarf Handschuhe. Selbst Brillenträger springen problemlos.

Und der Standardsatz am Platz: „Taschen leer.“ Handy, Schlüssel, Münzen – raus damit. Was bei 200 km/h herausfällt, ist weg. Oder schlimmer.

Wenn alles sitzt, geht’s Richtung Flugzeug.

15 bis 20 Minuten Steigflug. Die Landschaft unter dir schrumpft, Straßen werden zu Linien, Häuser zu Bauklötzen. Jetzt merkt dein Körper, dass es ernst wird.

Etwa 300 Meter vor Absprunghöhe verbindet dich dein Pilot mit vier stabilen Haken fest mit seinem System. Du spürst es deutlich. Ab jetzt seid ihr eine Einheit.

Ein letzter Check der Brille. Die Tür öffnet sich. Kalte Luft schlägt ins Gesicht. Der Moment dehnt sich. Dann gibt es kein Zurück mehr – nur noch raus.

Ein Schritt. Kein Boden mehr.

Der Wind trifft dich wie eine unsichtbare Wand, trägt dich gleichzeitig wie ein festes Kissen. Deine Wangen flattern, dein Herz hämmert, und trotzdem kannst du ruhig atmen. Der kleine Bremsschirm stabilisiert euch. Etwa 200 km/h, konstant.

Du schaust nach unten und siehst die Welt wie eine Landkarte. Felder, Flüsse, Autobahnen – alles still, während du mit voller Geschwindigkeit durch die Luft schneidest.

Adrenalin ist kein Wort. Es ist dieses Kribbeln, das vom Bauch bis in die Fingerspitzen zieht.

Der Endanflug beginnt. Dein Pilot fokussiert die Landezone. In etwa 100 Metern Höhe steigt die Konzentration.

Dein Einsatz: Beine hoch. Genau wie im Briefing. Kurz vor dem Boden zieht der Pilot die Bremsleinen kräftig durch – das sogenannte Flaren. Die Geschwindigkeit reduziert sich drastisch. Meist rutscht ihr sanft über das Gras und kommt kontrolliert zum Stillstand.

Dann stehst du wieder. Boden unter den Füßen. Puls im Hals. Ein Grinsen, das du nicht mehr loswirst.

Zurück am Packplatz hilft dir dein Pilot aus dem Gurtzeug. Vielleicht bekommst du eine Urkunde. Vielleicht schaust du dir dein Video an und erkennst dich selbst kaum wieder – schreiend, lachend, völlig frei.

Und irgendwann kommt die Frage: War das wirklich ich da oben?

Ja. Warst du.